Werke aus Wuppertal 

Das sind die gesammelten Texte und Fotos aus dem Reporter-Workshop in Wuppertal. Er fand in den Herbstferien 2020 statt.

Nur natürliche Zutaten und viel Zeit

Biobäcker Myska verwendet Mehl aus der Region und hat ein biologisches Gesamtkonzept.

 

Es riecht säuerlich. In einem riesigen Kessel gärt der Sauerteig vor sich hin. Beim Biobäcker Myska wird der Sauerteig selbst hergestellt und keine künstliche Säure hinzugefügt. Der Teig wird die ganze Nacht bearbeitet: „Da muss immer wieder Wasser dran, Mehl dran, rühren“, erklärt Bäckermeister Detlef Myska. Seine Konkurrenz vermeidet diese Arbeit. Bei Myska läuft manches vollautomatisch, bei anderen Dingen ist viel Handarbeit dabei. 

Von 22 bis 5 Uhr – so lange dauern die Biobrötchen beim Bäcker Myska. Der erste Bäcker beginnt seine Schicht um 22 Uhr, die anderen neun bis zwölf um Mitternacht. Am Morgen zwischen 7 und 9 Uhr endet bei ihnen der Arbeitstag. 


Das Gebäck geht bis zu 24 Stunden, damit es richtig lecker schmeckt. Andere Bäcker fügen stattdessen Gewürze hinzu. In den Hefeknoten beispielsweise kommen hier nur Butter, Mehl, Salz, Wasser, Rapsöl, Zucker und Milch. Industriehefe benutzt Myska nicht, nur seine eigenen, verschiedenen Sauerteige. 


Die meisten Zutaten kommen aus der Region: Körner liefert Bauer Bredtmann aus Velbert, Mehl die Mühle Kottmann aus Grevenbroich. Nur die Nüsse und Sonnenblumenkerne kommen von weit her, aus Kalifornien. Sie werden hier nicht in ausreichender Menge angebaut. 

Zwischen den Aufbackbrötchen im Supermarkt und den Produkten von Myska gibt es große Unterschiede: Erstere werden mit riesigen Maschinen produziert. Damit der Teig nicht an den Maschinen klebt, werden Enzyme und Emulgatoren hinzugefügt. „Bei uns kommen nur Mehl, Wasser, Malz, Zucker und Salz in den Teig“, sagt Myska. 


Die Ofen werden erhitzt, indem Holzpellets verbrannt werden. Mit der Wärme aus dem Rauch und Dampf der Öfen heizt Myska das ganze Haus. Auch das Warmwasser stammt daher. 


Zurzeit werden viele Räume umgebaut. Hinter dem Verkaufsraum entstehen auf mehreren Etagen weitläufige Räume. Dort möchte Myska ein großes Café und einen Veranstaltungsraum einrichten. Alle Dächer sind bepflanzt mit Pflanzen, deren Früchte sie auch für ihre Backwaren verwenden. Sogar Bäume sollen auf dem Dach wachsen. Sie sollen für ein kühles Klima sorgen. Das ganze Grundstück wurde gepflastert statt geteert, damit das Wasser ablaufen kann. 


So können Sie sich auf nächstes Jahr freuen, wenn das Café hoffentlich fertig ist. 


Linn Kramer
Julian B. 

Bio-Leben auf dem Land

Auf Hof Vorberg gefielen uns die Offenheit, Produkte und die Kühe. 


Ovarium – da wohnen die Bodenarbeiter. Die Hühner picken die Schädlinge weg und düngen mit ihrem Kot gleichzeitig den Boden. An jedem Platz stehen sie nur für kurze Zeit, denn sonst würde ihr Kot den Boden verätzen. Das gesamte Ovarium wird deshalb regelmäßig umgestellt. Wir sind auf dem Demeter Biobauernhof Vorberg

Eine zweite Variante zur Bodenauflockerung sind Kälber: Sie ziehen beim Fressen die ganzen Pflanzen samt Wurzeln aus dem Boden. Außerdem sind dadurch keine schweren Maschinen zum Mähen notwendig.


Der Hof im Windrather Tal ist eine SoLaWi: eine solidarische Landwirtschaft. Die Ernte wird in gleichen Anteilen an die Mitglieder aufgeteilt. Dafür bezahlen diese monatlich eine feste Summe, egal, wie groß die Ernte ausfällt. Diese Anteile holen sie entweder direkt auf dem Hof oder an Verteilstellen in den Stadtteilen ab. 


Vier junge Biobauern leiten den Hof. Sie hatten vor drei Jahren gemeinsam den Hof übernommen, nachdem der Vorbesitzer gestorben war. Die Höfe in der Umgebung ergänzen sich in dem, was sie anbauen, und unterstützen sich gegenseitig. Das gefällt den jungen Bauern. Die Arbeitszeiten auf Hof Vorberg sind gerecht verteilt und Freizeit wird groß geschrieben. So hat jeder einen Nachmittag pro Woche frei und festen Urlaub. Etliche Freiwilligen helfen mit. Sie wohnen in Bauwagen mit weitem Blick übers Land. 


In den Gewächshäusern wachsen die feinen Gemüse: Tomaten, verschiedenfarbige Auberginen, Paprika, Fenchel, Spinat und viel Salat. Auf der anderen Seite des Weges sind unter Netzen Möhren, Knoblauch und Lauch zu sehen. Die Netze sollen das Gemüse vor Rehen schützen. Leider helfen die Netze nicht gegen Wühlmäuse: „Dieses Jahr sind die Wühlmäuse eine schlimme Plage“, sagt Amanda, die uns über den Hof führt. „Oft bemerkt man sie erst nach einer Zeit. Dann ziehen sie den kompletten Salat in den Boden und man hört nur noch das Schmatzen.“ 


Alle Tiere auf dem Hof sind Nutztiere. Auch die Katzen dienen primär dazu, Mäuse zu fangen. Die Schweine bleiben ein Jahr auf dem Hof und werden dann geschlachtet. Ihr Fleisch sowie Honig von den Bienenstöcken unter dem Kirschbaum werden frei verkauft.


Kühe und Kälber leben im Stall getrennt. Bei den Kühen gibt es eine strenge Hierarchie. Deshalb bestände die Gefahr, dass die Kühe die Kälbchen platttrampeln. Den Kühen werden auch die Hörner nicht abgefeilt. Männchen und Weibchen haben Hörner. Langfristig wollen die Bauern den Stall umbauen, da die Kühe bisher noch angebunden werden müssen. Im Sommer ist das nicht so schlimm, weil sie den ganzen Tag auf der Weide sind, aber im Winter sollen sie mehr Auslauf bekommen. Wir streicheln die Kühe. Ihre Zunge fühlt sich rau an, wie bei Katzen. 


Der Bauernhof wächst immer mehr. Die neueste Bauidee ist ein riesiges Regenrückhaltebecken. Mit diesem Wasser sollen auch in heißen Sommern die Kühe getränkt und die Felder bewässert werden. Es sieht nach viel Arbeit aus. Überhaupt machen die Leute hier fast alles selbst – vom Bauen von Wänden und Dächern bis zum Reparieren von Maschinen. 

Linn Kramer
Julian B. 

Die Umweltberatung der Verbraucherzentrale lernten wir am dritten Workshop-Tag kennen.

Verblüffende Zahlen bei der Verbraucherzentrale

In einem Quizz stellten uns Anne Sprinz und Caroline Pilling von der Verbraucherzentrale viele Fragen. Wir sollten verschiedene Aspekte des täglichen Lebens einschätzen. Die meisten Fragen waren unerwartet und wir lagen ganz schön daneben. Etwa: Wie viele Minuten wird eine Bohrmaschine in ihrem Leben benutzt (13). Oder wie viel Papier nutzen wir durchschnittlich pro Jahr? Zu den 250 Kilo zählen auch Prospekte und Zeitschriften. Jeder Deutsche bezahlt 104 Euro für Kleidung im Jahr.  Das meiste davon geht auf das Konto der Frauen: Sie besitzen durchschnittlich 118 Stück Oberbekleidung. Doch auch kaputte oder nicht mehr brauchbare Dinge müssen nicht weggeworfen werden. Die beiden Umweltberaterinnen gaben uns noch Tipps wie Reperaturcafés, Bücherschränke und Foodsharing. Und sie erzählten, dass zur Menge der weggeworfenen Lebensmittel auch Bananen- und Orangenschalen oder Apfelkitsche zählen. Das erklärt, warum die Menge so hoch ist!
 
Linn Kramer 
Julian B.



Am zweiten Tag haben wir die GEPA in Wuppertal besucht.


Fairer Kakao – gutes Leben für die Bauern 

Bei der GEPA lernten wir viel über fairen Handel 


Bei unserem heutigen Besuch in der Gepa hat das Treffen mit einem interessanten Spiel angefangen, wobei noch einmal die ökonomische Ungleichheit auf unserer Erde klar wurde. Wenige Leute erwarten wahrscheinlich, dass in Nordamerika nur fünf Prozent aller Menschen leben, aber sie 25 Prozent alles Einkommens haben. Im Gegensatz dazu hat Afrika 15 Prozent aller Menschen, verdient aber nur fünf Prozent des weltweiten Geldes. In Asien wohnen 60 Prozent der Weltbevölkerung, sie erhalten rund 35 Prozent der Wertschöpfung – allerdings im Kontinent sehr ungleich verteilt. 

 

Gepa – The Fair Trade Company ist der größte europäische fair handelnde Importeur. Sie verkauft Lebensmittel und Handwerksprodukte wie Kaffee, Tee oder Kakao. Während die Kleinbauern auf dem Weltmarkt meistens sehr schlechte Preise erhalten, von denen sie nicht leben können, bezahlt die Gepa einen fairen Preis, der über dem Weltmarktpreis liegt und den sie im Voraus garantiert. Außerdem achtet die Gepa darauf, dass keine Kinder ausgenutzt werden, bildet die Bauern weiter und hilft bei der Einrichtung von Schulen und Gesundheitsstationen.  

 

Die Gepa importiert aus verschiedenen Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Kakaobohnen kommen aus der Elfenbeinküste, Kamerun, Venezuela oder Indonesien. Dort wachsen sie an bis zu 15 Meter hohen Bäumen, die in Plantagen jedoch auf vier Metern abgeschnitten werden. Da eine maschinelle Ernte nicht möglich ist, müssen die Kakaobohnen in mühsamer Handarbeit geerntet und für den Transport vorbereitet werden. 

 

Aus den Herkunftsländern werden die getrockneten Kakaobohnen mit dem Schiff nach Bremen gebracht und von dort mit dem Lkw zur Schokoladenfabrik gefahren. Nur für eine Schokolade, die explizit als klimafreundlich gekennzeichnet ist, wird der eher umweltschädliche Transport durch das Pflanzen von Bäumen kompensiert. Natürlich sind die fair gehandelten Produkte etwas teurer als Billigware aus dem Supermarkt – aber dafür können die Bauern von ihrer Arbeit auch gut leben und werden fair behandelt. 

 

Linn Kramer 

Asya 

Sina Meurer 

Julian B. 

Am ersten Tag unseres Nachhaltigkeitskurses haben wir uns mit Mikroplastik beschäftigt:


Krank durch Mikroplastik

Auch Dich trifft das Umweltproblem 


Du hast Mikroplastik im Blut. Mikroplastik ist überall. Die winzig kleinen Kunststoffteilchen befinden sich nicht nur in den Meeren, sondern auch in der Luft, im Boden, auf unseren Pflanzen. Mikroplastik entsteht dadurch, dass große Stücke Plastik wie Wasserflaschen, Fischernetze oder Folien durch Bakterien, UV-Strahlung, Salz, Reibung und Temperaturschwankungen zersetzt werden. 

33 Prozent stammen aus dem Abrieb von Reifen, 21 Prozent aus Industriebetrieben, zehn Prozent aus falsch entsorgtem Plastikmüll, weiteres Mikroplastik aus Sportplätzen und Faserabrieb von Kleidung. Kosmetika und Waschmittel machen nur rund ein Prozent des Mikroplastiks in der Umwelt aus.

An sich ist noch ungeklärt, wie gefährlich Mikroplastik für den Menschen tatsächlich ist. Aber es kann zu Entzündungen im Darm oder Gewebe führen oder Krebs begünstigen. 

Bei Tieren wurde nachgewiesen, dass die Fortpflanzungsfähigkeit und das Wachstum leiden, wenn die Tiere viel Mikroplastik aufgenommen haben. Wissenschaftler fürchten, dass sich dieses Schema auch auf den Menschen übertragen lässt. 
Das Problem ist, dass das Mikroplastik aus der Umwelt kaum mehr zu entfernen ist, wenn es einmal dorthin gelangt ist. Die Kosmetikindustrie verzichtet inzwischen weitgehend auf Mikroplastik in ihren Produkten. Von Reifenherstellern und großen Industriekonzernen erfolgen hingegen bisher noch wenige Reaktionen.

Auch in der Wahl der Kleidung sollte man auf Nachhaltigkeit achten. Denn Materialien wie Elasthan, Polyester etc sorgen dafür, dass beim Waschen weiteres Mikroplastik in die Meere gespült wird. 

Damit Du Dir das bildlich vorstellen kannst: Jeder Mensch nimmt wöchentlich so viel Mikroplastik auf, wie eine Kreditkarte wiegt!

Asya

Sina Meurer

Julian B.