Das ist das Team aus Wesel 

 Chiara, Paula, Johanna, Lion, Marc und Simon sind in den Workshop der Zukunftsreporter gestartet. Sie werden unterstützt von Ehrenamtlichen des Kinderschutzbundes in Wesel. Die ehemalige Zeitungsredakteurin Margret Brüring (macht das Foto und ist daher nicht zu sehen) leitet das Projekt an. 


Der Tag im Hofladen

 

Vom Regen ließen sich die Zukunftsreporter des Weseler Workshops nicht abhalten, als sie dem Hofladen Schäfer in Hamminkeln-Nordbrock einen Besuch abstatten. Von Betriebsleiterin Judith Schäfer ließen sie sich nicht nur den Hof zeigen, sondern sie stellten jede Menge Fragen, die sie anschließend in ihrem Redaktionsbüro in ein Interview verwandelten. 

Die Zukunftsreporter besuchten Judith Schäfer und stellten ihr eine Menge Fragen zu ihrem Hofladen und ihrem Betrieb in Hamminkeln-Nordbrock, den sie zusammen mit ihrem Mann leitet.

 

Zukunftsreporter Lion: Welche Obst- und Gemüsesorten bauen Sie übers Jahr an?

 

Judith Schäfer: Erdbeeren, Kartoffeln, Kürbisse, Grünkohl, Rosenkohl, Salate

 

Zukunftsreporterin Paula: Was verkaufen Sie in Ihrem Hofladen?

 

Judith Schäfer: Alles, was man zum Essen und Trinken braucht. Marmelade, Eier, Hühnerfleisch, Kürbissuppe, Hühnersuppe, Eis, Nudeln, Eierlikör und noch vieles mehr.

 

Zukunftsreporterin Chiara: Sind das Produkte, die auch von anderen Höfen stammen?

 

Judith Schäfer: Das ist für mich ein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit, dass wir Produkte von Höfen aus der Nachbarschaft übernehmen, die wir selbst nicht haben. Zum Beispiel Milch, Käse, Joghurt und Schweinefleisch. Unsere Hühner werden in einem Betrieb geschlachtet, der nur zwei Kilometer entfernt liegt. Das Fleisch bekommen wir dann zum Verkauf zurück.

 

Zukunftsreporter Lion: Was verkaufen Sie am meisten?

 

Judith Schäfer: Kartoffeln und Eier. 

 

Zukunftsreporterin Johanna: Wie viele Kürbisse verkaufen Sie?

 

Judith Schäfer: Das ist schwer zu sagen. Wir haben das noch nie gezählt. Wir wissen aber, dass es rund 25000 Pflanzen im Frühjahr sind, die wir setzen. Wir haben etwa 100 Sorten.

 

Zukunftsreporterin Chiara: Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Sie?

 

Judith Schäfer: 37 Mitarbeiter für den Hofladen, die Marktstände, die Hofküche, für die Reinigung und dann zusätzlich drei Helfer aus Polen (und noch ein paar mehr während in der Erdbeersaison). Und natürlich sechs Familienmitglieder. Neben meinem Mann, der mit mir gemeinsam den Betrieb leitet, die Schwiegereltern und unsere beiden Kinder.

 

Zukunftsreporterin Chiara: Welche Tiere haben Sie auf Ihrem Hof und wie lange bleiben die dort?

 

Judith Schäfer: Wir haben nur Hühner. Insgesamt sind es rund 6600 Stück, sie leben im Stall und draußen. Seit zwei Jahren haben wir zwei Hühnermobile, in denen jeweils 1300 Tiere leben, die übrigen leben im Stall mit Wintergarten. Das Hühnermobil macht viel Arbeit, die man nicht sieht. Die Hühner müssen jeden Morgen rausgelassen und jeden Abend wieder reingeholt werden. Das ist wichtig, weil sonst Füchse, Marder oder Greifvögel Tiere töten könnten. Die Hühner bleiben etwa zehn Monate auf dem Hof. Pro Tag werden ungefähr 5500 Eier gelegt,

 

Zukunftsreporter Marc: Wie viel Hektar Land bearbeiten Sie?

 

Judith Schäfer: 35 Hektar rund um den Hof. Wir bauen dort neben Kartoffeln, Kürbis und Gemüse auch Mais, Weizen und Hafer an, als Futter für unsere Hühner.

 

Zukunftsreporterin Chiara: Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

 

Judith Schäfer: Nachhaltigkeit heißt für mich, dass wir das, was wir produzieren, auch tatsächlich verbrauchen. Wenn wir beispielweise im Sommer von unseren Markttagen zurückkommen, verarbeiten wir Obst, zum Beispiel Erdbeeren, sofort zu Marmelade, wenn es nicht mehr zum Verkauf geeignet ist. Nachhaltigkeit bedeutet für mich aber auch, dass wir gut miteinander umgehen und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut bezahlen.

 

Der Besuch beim Upcycling-Künstler

Thomas Heweling macht Kunst aus Müll

 

„Es ist immer die erste Frage, die alle stellen.“ Thomas Heweling kennt sich aus mit Interviews und Besuchern. Der Bislicher Upcycling-Künstler verrät den Zukunftsreportern des Weseler Workshops deshalb auch gleich, wie groß er ist. Stattliche 2,05 Meter. Das beeindruckt seine Zuhörer. Aber auch seine Schilderung über seine Arbeit als Künstler, Handwerker und Lehrer lässt die Kinder aufhorchen. Bei ihrer Suche nach der Nachhaltigkeit sind die Nachwuchsreporter an einem wirklich guten Punkt angekommen, 

So schnell können die Zukunftsreporter gar nicht schreiben, wie Thomas Heweling über sich und seine Kunst erzählt. Gut, dass sich die Kinder in ihrem „Redaktionsbüro“ schon mal einige Fragen notiert hatten. So wollte Zukunftsreporterin Paula wissen, was den Bislicher zu seiner Kunst inspiriert. Vieles inspiriere ihn, antwortet er. Aber besonders „aus nichts etwas zu machen“ und „nichts kaufen zu müssen“. Und ein Beispiel hat er gleich parat. Er zeigt ein Stückchen Holz, das als Abfallprodukt bei einem Workshop für Kinder angefallen ist. Wegwerfen wäre viel zu schade, daraus macht er in der Waldorfschule, in der er als Werklehrer arbeitet, zusammen mit seinen Schülern einen Zauberstab. 

Auch viele seiner Skulpturen sind aus Abfall entstanden. Der abgemagerte Eisbär beispielsweise, mit dem Thomas Heweling auf den Klimawandel aufmerksam machen wollte und über den viele Zeitungen und das Fernsehen berichtet hatten. Aus Altpapier und Draht ist die Figur entstanden, ebenso wie der „Mensch“, den er ursprünglich neben den Bären gestellt hatte. Und auch die fünf Statuen, die er entlang des Rheins bei Bislich aufgestellte hatte, sind aus dem Schwemmgut des Flusses. Natürlich sieht das Holz jetzt anders aus, der gelernte Schreinermeister und Innenarchitekt hat es bearbeitet und angestrichen. 

Hinter jeder Skulptur steckt immer eine Aussage, bestätigt er die Frage von Zukunftsreporter Marc. Bei seiner Botschaft gehe es meistens um Mensch und Tier. „Dabei kann es plakativ, aber auch scharf sein“, erklärt der Künstler. Er arbeite rund 60 Stunden in der Woche, und wenn ihm spät abends etwas einfällt, dann kann es sein, dass er nachts noch einmal in seine Werkstatt fährt, um es umzusetzen. Nicht alle verwendeten Materialien hat er vorrätig. Sachen wie Glas, Bronze oder auch Stahl bearbeitet er dann direkt in den entsprechenden Fachwerkstätten. Für die Kunstwerke braucht er unterschiedlich viel Zeit. „Wenn etwas gesprayt wird, geht das schnell, andere Sachen dauern schon mal drei bis vier Wochen“, beantwortet er die Frage von Zukunftsreporterin Chiara. 

Von der Kunst allein könne er nicht leben, lautet die Antwort auf die entsprechende Frage von Zukunftsreporter Simon. Aber die Kunst sei seine Art der Kommunikation. „Ich spreche durch die Kunst mit den Menschen“, erzählt Thomas Heweling. Er will provokant sein. „Aber ich bin kein Mensch, der gerne streitet.“ 

„Was machst Du denn, wenn die etwas bauen willst, aber keine Idee hast?“, wollte Zukunftsreporter Lion wissen. „Gute Frage. Ich muss joggen gehen, Musik hören oder einen dramatischen Film sehen und mir dabei Gedanken übers Thema machen. Dann hab' ich auch Ideen“, verriet der Künstler. 

Alles was langlebig ist und nicht sofort kaputt geht, ist für Thomas Heweling nachhaltig. „Möbel, die reparierbar sind oder der Rohstoff verwertbar ist.“ Gleichzeitig berichtete er den Kindern, dass es gar nicht so einfach sei, Holz, das eigentlich in die Tonne soll (zum Beispiel Palettenholz) zu bearbeiten. „Das ist auch nicht billig, aber die meisten Menschen kaufen es aus Idealismus.“ Dass er selbst natürlich auch Müll produziert, ist ihm bewusst. „Ich bin kein Besserwisser.“ Aber er versuche, möglichst viel zu verwerten. 

 

Die Müllabfuhr 2021 schlägt zu!

Zukunftsreporter sammelten Müll

Wir starteten alle zusammen an der VHS Wesel, ausgerüstet mit Latexhandschuhen und orangefarbenen Mülltüten. Nach wenigen Metern hatten wir schon einen Haufen Zigarettenkippen gefunden und gesammelt. Dann folgten wir unserem Weg weiterhin und fanden Süßigkeiten- Verpackungen und einen einzelnen Gartenhandschuh. Auf einem Waldweg und rechts und links davon sammelten wir: einen Pizzakarton, eine Chipstüte mit Chips, Flaschen, Papiertüten, Marmorteile, Durstlöscher, Milchschnitten-Verpackungen, eine Brotdose, Plastikbesteck, Plastikdübel und viel anderen Müll. 

Am Ende des Waldweges entdeckten wir einen Busch, der mit Müll übersät war. Alles konnten wir gar nicht mitnehmen. Aber wir haben eine große Tüte mit Kabelsalat und alte leere Mülltüten mitgenommen. Auch eine gebrauchte Pampers war dabei. Schnell waren unsere zwei Mülltüten randvoll. Aber wir hatten ja noch mehr Tüten dabei. Erschreckend war, dass uns eine mehr als halb volle Flasche Jägermeister aufgefallen war. Die haben wir ausgeschüttet und die leere Flasche mitgenommen.

Auf dem Fußweg am Rhein haben wir festgestellt, dass mehr als eine Hand voll Zigarettenkippen auf einem Haufen unter einer Bank lag. Beim Aufsammeln ganz vieler Flaschen haben wir eine Bierflasche gefunden, von der wir dachten, dass sie leer ist. Als Marc und Simon damit einen Hügel runter gerannt sind, lief der Rest Bier aus und die Hosen und die Jacke von Marc wurden übel verschmutzt. 

Wir waren alle erstaunt, wie viel Abfall wir gefunden haben und wie unvernünftig unsere Mitmenschen sind.

 

Marc, Chiara und Simon

 

 

Der Besuch beim Bürgermeister

 
Dem Hamminkelner Bürgermeister Bernd Romanski statteten die Zukunftsreporter einen Besuch ab und stellten ihm dabei viele Fragen. 
 

Warum sind Sie Bürgermeister geworden? 

 

Als ich mich 2015 um das Amt beworben, habe ich gar nicht damit gerechnet, dass ich Bürgermeister werde. Es war mir wichtig, dass die Bürger die Wahl haben. Es war eine fordernde Zeit durch die Flüchtlingswelle 2015 und das Hochwasser der Issel 2016. Aber es war eine gute Entscheidung, es zu machen. 2020 habe ich lange überlegt, ob ich noch mal antreten soll, ich haben gesehen, dass sich viele Menschen in Hamminkeln aktiv sind in Vereinen und Organisationen sind. Das hat mich motiviert. Ich bin dann noch einmal für fünf Jahre gewählt worden. 

 

In welcher Partei sind Sie und welchen Beruf haben Sie früher ausgeübt? 

 

Ich bin 1975 in die SPD eingetreten, da war ich 16 Jahre alt. Ich bin 1979 als Azubi bei Hochtief in Essen eingestiegen, als ich aufgehört habe, war ich Vorstand des Unternehmens. 

 

Was können Sie von dem, was Sie sich im Wahlkampf vorgenommen haben, umsetzen? 

 

Ich habe viel umsetzen können. Es gibt viele zusätzliche Kindergartengruppen und neue Wohngebiete in Brünen und Wertherbruch, damit die Menschen in ihren Ortsteilen auch wohnen bleiben können. Tagesaktuell sind wir dabei, die Strukturen der Grundschulen zu überarbeiten. 

 

Wie gefällt Ihnen die neue Schule für die Klassen 5 der Gesamtschule Hamminkeln? 

 

Die gefällt mir gut, sie ist sehr modern geworden, sie hat viel Licht. 

 

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit? 

 

Die Verwaltung nach außen zu präsentieren und Hamminkeln sichtbar zu machen. Deshalb weiß ich zum Beispiel dass es 17 Schützenfeste im Jahr gibt. 

 

Wie gefällt Ihnen Ihre Arbeit? 

 

Gut und nicht so gut. Ich treffe viele Menschen, ich kann viele Dinge entwickeln. Aber ich habe natürlich nicht so viel Zeit für meine Familie. Wenn die Ratssitzungen lange dauern, ist es das manchmal nervig. Es gefällt mir aber nicht, wie wir an vielen Stellen miteinander umgehen. Der Ton ist oftmals respektlos. 

 

Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit und was kann ein Bürgermeister dafür tun? 

 

Nachhaltigkeit ist ein moderner Begriff, ich verstehe darunter Dinge, die eine langfristige Wirkung und Effekte haben. Wir versuchen alle Bäume neu zu pflanzen für die, die wir abgeholzt haben. Im Fahrzeugbestand der Stadt sind ganz viele E-Autos, wir haben die meisten Ladesäulen im Kreis Wesel. Es sind über 30. Wir nutzen regenerative Energie für unsere öffentlichen Gebäude. Natürlich machen wir viel für den Umwelt- und Klimaschutz. Wie haben eine Klimamanagerin, die gerade ein neues Klimakonzept für Hamminkeln erarbeitet. 


Johanna, Paula und Lion

Am letzten Tag 

Ganz spontan statteten die Zukunftsreporter der Weseler Feuerwehr einen Besuch ab. Feuerwehrmann Simon Schneider erklärte den Kindern ganz geduldig seine Arbeit und berichtete ganz aktuell über einen Einsatz bei einem Verkehrsunfall, den er kurz vorher absolvieren musste. Begeistert und voll konzentriert hörten die Nachwuchsreporter zu.

Wenn aus Plastikflaschen Shirts werden

 

Wie weit ist der Gedanke an Nachhaltigkeit eigentlich schon bei den Verbrauchern angekommen? Diese Frage stellte sich Chiara und machte sich gemeinsam mit Annette vom Kinderschutzbund auf den Weg in die Weseler Fußgängerzone. 

In bekannten Fashion-Läden schaute die Zukunftsreporterin genauer hin und entdeckte zwar einen speziellen Kleiderständer, auf der sich die neueste Kollektion recycelter Bekleidung befand. Warum sind die Hinweise dazu in Englisch? Es wäre sicher besser, es in Deutsch auszudrücken, dann würden sich bestimmt mehr Kundinnen und Kunden für die Kleidungsstücke interessieren. Denn immerhin lag der prozentuale Anteil an recyceltem Material bei 80 Prozent. 

Auskunft darüber, wie groß der wiederverwendete Anteil von Polyester an Shirts, Blusen oder Hosen im Sortiment der Läden tatsächlich ist, konnten die befragten Verkäuferinnen und Verkäufer nicht sagen. „Diejenigen, die schon jetzt nachhaltig leben, die schauen genauer auf die Etiketten in den Kleidungsstücken. Die meisten Käufer tun das aber nicht. Auf Dauer sollte man viel mehr recycelte Bekleidung kaufen.“ 

 

Chiara 

Kampfsport in der VHS

 
Es kam ganz überraschend und spontan – am Donnerstagnachmittag hatten wir ein Selbstbehauptungstraining. In der Gymnastikhalle trafen wir auf den Kampfsporttrainer Kelly. 
Nach den anstrengenden Redaktionssitzungen wollten wir uns mal so richtig auspowern. Manche auch nicht. 

Wir haben zuerst geübt, wie man eine richtige Faust macht. Dann haben wir Schlagen geübt und dabei gegen ein Polster gehauen. Danach wurde geübt, wie man sich mit Tritten verteidigt. 
Kelly hat mit uns einen Parcours gemacht. Dabei haben wir gegen große Bälle getreten und Kniebeugen und Liegestütze trainiert und zum Schluss wieder gegen das Polster getreten und geboxt. 

Am Ende des Trainings haben wir nochmal Tritte geübt und sind dabei vorwärts gegangen. Dabei kam es auf den sicheren Stand und die Tritttechnik an. Kelly hat zwischendurch immer wieder betont, dass es sich um Verteidigungstechniken handelt, wenn man angegriffen wird.